Bahrain – Amritsa
Eigentlich ist noch Sonntagabend. Aber dieser endet ziemlich ärgerlich. Am Scanner im Airport stauen sich die Koffer und Rucksäcke auf dem Band. Alles wird vollautomatisch auf Sprengstoff kontrolliert. Die Guards treiben die wenigen Passagiere durch die Sicherheitsschleuse, auch wenn die Koffer noch weit hinten liegen. Auch ich musste im Schnellgang durch das Piepsgerät. Irgendwo ganz in der Ferne erahne ich meine Jeansjacke im Körbchen und sehe noch wie jemand in meine Tasche greift. Genau dahin hatte ich meine restlichen Bahrain Dollar gesteckt. Natürlich weg. War der Stau provoziert. Keine Ahnung. Aber 20 Euro sind auch Geld.
Dafür erwartete mich am Gate eine angenehme Überraschung: die Maschine ist überbucht und da ich bei gulf air in so einem Art Promotion Programm bin, werde ich in die Business Class befördert. Mit allen Vorteilen. Es gibt dort Bier, wenn auch streng auf eine Dose rationiert.

Der Flug war dann weniger angenehm. Turbulenzen. In der Economy musste der Service abgebrochen werden, aber ich saß ja vorne bei denen, die gleich nach dem Start reichlich bekamen. Nachts um drei in Delhi. Die Passkontrolle völlig überlaufen. Eigentlich genug Personal, aber es dauert: Irisabgleich, Fingerabdrücke links rechts, Kappe ab. Da ich mit Business gekommen war: Immerhin „Fast lane“.
Nächster Schreck: Mein Handgel war über das Blatt mit dem E-Visum gelaufen, was der Kontrolleur in seinem Glaskasten erstaunlich locker nahm. Das Gepäckband stand bereits wieder still als ich den Papierkram erledigt hatte. Zum Glück konnte ich den Abtransport meines Rucksacks irgendwohin ins Nirwana gerade noch stoppen. Nicht optimal organisiert, zumal man den Bereich der Gepäckausgabe auch aus der Ankunftshalle ohne Kontrolle betreten kann.
Mein Zug sollte erst um 7.20 Uhr fahren. Die Zeit wollte ich lieber am Airport verbringen, da der Stress am Bahnhof dort mir noch lebhaft in Erinnerung ist. Um 6 Uhr mit der Metro Richtung Delhi. Tolle und bequeme Züge, durchdachtes System.

Dafür bestätigten sich in Delhi die Erlebnisse, die ich am Bahnhof schon vor drei Jahren hatte. Die 150 Meter zwischen U-Bahn und den Fernzügen sind ein Spießrutenlauf. Alle drei Meter ein Koberer, der mich in ein Taxi ziehen wollte. Oben auf der schmalen Brücke (Rolltreppe natürlich kaputt) versperrte ein 3-Mann-Team in Uniform mir den Weg und kontrollierte mein Ticket. „Ihr Zug fällt aus“ erklärte mir der Obermacker im Kommandoton. „Bitte gehen sie die Treppe runter und melden sich am Online-Schalter“. Dazu kritzelte er einige Worte auf mein Ticket.
Fast wäre ich auf den Trick reingefallen. Aber dann erinnerte ich mich an eine ähnliche Situation vor drei Jahren. Also geradeaus weiter. Zum Glück leuchtete irgendwo meine Zugnummer auf einem Laufband über Gleis 1. Jetzt kann nix mehr passieren.

Das Problem: Hier haben die Züge 20 und mehr Waggons. Man muss am richtigen Platz einsteigen sonst ist man verloren. Wagenstandanzeiger oder Bahnsteigbeamte: Fehlanzeige. Und Indiens Züge haben bis zu acht unterschiedliche Klassen. Auch die Bildschirme mit den Abfahrtzeiten sind lustig. Auf eine Seite „Abfahrt“ folgt fünf Minuten Werbung. Das durchfragen hat zunächst auch nicht viel geholfen. Die einen meinten so, die anderen so. Schließlich erklärte mir jemand, dass oben unter dem Bahnsteigdach die Nummern der Waggons auf kleinen Displays angezeigt werden und diese Nummer steht irgendwo völlig versteckt und ohne Hinweis auf meiner Fahrkarte. Das sind wohl die Zahlen, die die Ansagerin pausenlos über krächzende Lautsprecher leiert.
Der Zug war pünktlich mein Wagen bis auf den letzten Platz ausgebucht. Mein Ticket hatte ich über eine Agentur in Thailand gebucht. Im Preis waren Mahlzeiten inkludiert. Und die wurden ab der ersten Minute mit steigender Regelmäßigkeit serviert, mit Unmengen an Plastik- und Alumüll. Aber durchaus schmackhaft, vor allem der Tee, der pausenlos gereicht wurde. Auch in dem Mikrokosmos „IC-Wagen“ war die hierarchische indische Gesellschaft sichtbar. Der arme Boy, der servierte, abräumte und so on, erhielt von überall harsche Anweisungen aber kaum Unterstützung und das Verhalten meiner Mitreisenden ihm gegenüber war sehr abschätzig.

Naja. Und irgendwann stoppt der Zug. Gleise kaputt. Drei Stunden Umweg und nochmal drei Stunden „Essen fassen“. In Amrista endlich angekommen, Tuctuc zum Hotel. Hat mein Driver erstmal nicht gefunden, obwohl er „Stein und Bein“ versicherte, es genau zu kennen. Aber am Ende alles gut. Super Matratze, eine Oase der Ruhe, wenn man den Fernseher ausschaltet. Und nach einer langen Nacht im Flieger richtig durchgeschlafen.
