Kathmandu
Herrlich geschlafen. Die Stadt liegt auf 1.400 Meter Höhe. Da braucht es keine Klimaanlage.

sdr
Das Frühstück ist sehr gut. Die Auswahl ist groß. Auch das Ambiente im begrünten Innenhof ist stimmig.

sdr
Ich mache mich gegen 10.30 Uhr auf noch einmal durch die Altstadt zu stromern. Der Markt zieht sich Kilometer weit durch die engen Gassen. Die Kunden sind fast ausschließlich Nepalesen. Ich schätze mal 99 Prozent. Das Warenangebot bildet den Alltag der Menschen hier ab. Kaum Stände mit T-Shirts, keine gefakte Marken. Man kann in Ruhe bummeln, ohne dauernd animiert zu werden, doch bitte in den Laden zu kommen.

oznor

sdr
Wo Licht ist, ist aber auch Schatten. Die Menschen müssen sich die engen Gassen mit einer Unzahl Mopeds teilen. Eigentlich dürfen nur „Anlieger“ hier ihre Knatterkisten bewegen, aber offenbar ist hier jeder Anlieger. Die Polizisten haben an den Straßeneingängen Checkpoints eingerichtet. Die Motorräder kommen in Scharen, ein kurzer Wortwechsel im Sinne von „ich muss dahinten irgendwo hin“ und schon darf jeder passieren. Oft ist für Minuten in dem Gedränge kein durchkommen. Viele Händler und Besucher tragen Mundschutz. Mit dem Feinstaub der hier an einem Tag produziert wird, könnte man ganz Offenbach ein ganzes Jahr für den Autoverkehr sperren.
Viele Urlauber, die zu dieser Jahreszeit in Kathmandu unterwegs sind, gehören der Generation 60 plus an. Typ 68iger. Zu Hippiezeiten haben sie es aus irgendwelchen Gründen nicht bis Kathmandu geschafft. Das holt man jetzt nach mit der sicheren Kreditkarte in der Tasche. Und statt Sex Drugs & Rock´n Roll gibt es jetzt vegetarische Küche, Yoga Kurse und Weltmusik. Ich will ja nicht meckern. Ich bin ja auch hier.
Und wenn ich schon hier bin, dann möchte ich den Himalaya auch mal richtig geniessen, natürlich ohne die Anstrengung einer Trecking-Tour. Von Kathmandu aus sind die 8.000sender nicht zu sehen. Der Smog bildet einen undurchdringlichen Schleier. 35 Kilometer von hier ist ein Aussichtspunkt auf 2.000 Meter Höhe von dem aus man die Majestäten bewundern könne, steht im Reiseführer. Für heute sind alle Busse und Vans ausgebucht. Eine Agentur biete Individualtouren mit dem Taxi zum Sonnenuntergang für 50 Euro an. Also wenn ich schon mal hier bin.
Um 15 Uhr geht es los. Der Taxifahrer ist fast in meinem Alter. Er spricht ein sehr verständliches Englisch, weiß viel zu erzählen und kann gut Auto fahren. Hinter dem Präsidentenpalast und dem Parlament ist die gut ausgebaute Straße passe. Es geht auf einer Schotterpiste hoch auch 2.000 Meter Höhe. 1,5 Stunden brauchen wir für die paar Kilometer.

cof

sdr
Aber die Strapaze lohnt sich. Vor meinen Augen liegt 50 Kilometer Bergkette. 7.000sender, 8.000sender. Nur der Mount Everest ist nicht mehr zu erkennen. Ich kann mich kaum satt sehen. Eine Dose Bier habe ich auf den Hügel mitgenommen und genieße sie in kleinen Schlucken. Zum Sonnenuntergang fahren wir auf die andere Seite des Hügels. Nepal feiert heute sein Neujahrsfest. Eine Tanzgruppe lädt mich ein zuzuschauen und beobachte dabei wie die Sonne über Kathmandu, das vom Smog verdeckt wird, untergeht.

sdr
Gegen 19.00 Uhr sind wir wieder in Kathmandu. Die Menschen feiern mit Musik Neujahr. Überall stehen Kerzen vor den Geschäften und Häusern, so eine Art Altstadt-Lichterfest. Die Bürgersteige sind mit Blumen geschmückt. Die Kinder sammeln in den Läden und Restaurants Geld. es erinnert ein wenig an unser Heilig-Drei-König.

cof

mde
Für mein Abendessen habe ich ein Gasthaus, das sich „Fusion“ nennt, gewählt. Hochgelobt, wie ich finde zu Unrecht. Gute Ware, ohne Zweifel, aber die Küche hat die indischen Gerichte doch allzusehr auf den europäischen Geschmack getrimmt.