Darjeeling nach Siliguri
Weiterreise Richtung Nepal. Aber erst muss ich mal den Berg hinab. Ich hatte mich auch für die Rückfahrt für den Zug entschieden. Der Vorteil, den letzten Teil der Strecke hatte ich vor zwei Tagen im dunklen zurückgelegt. Jetzt lerne ich auch diesen Abschnitt kennen. Der Nachteil: Wenn der Zug Verspätung hat, klappt der Transfer nach Nepal heute nicht mehr.
Das Hotel hat für mich ein Taxi bestellt. Tolles Haus, aber warum kooperieren sie mit einem Unternehmen, dessen Tarife über denen in Deutschland liegen. Doppelt so teuer wie zwei Tage zuvor. Fast acht Euro für zwei Kilometer. Ich vermute mal der an der Rezeption verdient kräftig mit. Behält man das Haus halt nicht so gut in Erinnerung?

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Am Bahnhof Hochbetrieb. Es wird pausenlos rangiert. Die Wage für die Touristenzüge müssen in die richtige Reihenfolge gestellt werden, der Bremswagen immer nach hinten.

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Außerdem rollen alle Waggons über eine Grube für einen letzten Check, ob sie für die Reise auf der Steilstrecke gerüstet sind. Später ist keine Zeit mehr, um das aufwändige Geschäft zu betreiben.

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Nebenan im Lok-Depot werden die Maschinen angeheizt und rollen auf dem Gleis zur Probe einmal hin und her.
Nur Bahnsteig 1 bleibt leer. Um acht sollte Abfahrt sein. Es wird 8.30 Uhr, 9.00 Uhr. Um 9.15 Uhr schließlich werden die drei Waggons auf die Plattform gedrückt. Ins Tal wird nicht mehr mit Dampf sondern mit Diesel gefahren. Es sind weniger als zehn Menschen die in den Toy Train einsteigen. Aber immerhin, gestern der Gegenzug war bis auf den letzten Platz besetzt.

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Sieben Kilometer bis Ghum bergan und dann immer steil nach unten, 2.000 Höhenmeter.
Durch enge Gassen….

cof
…. vorbei an aufgelassenen Stationen

cof
….an Wassertanks, die die Dampfloks speisen…

sdr
….. Fahrkartenschaltern (inklusive Chefin), die noch betrieben werden….

cof
….. vergessenen Wagen…

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…. und irgendwo auf der Strecke ein Maschinenhaus, wohl für größere Reparaturen.

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cof
Es geht durch den Regenwald…

cof
…..über einen Loop und die Spitzkehren.

sdr
Irgendwann warten auf den Gegenzug. Der hat noch mehr Verspätung als wir.

sdr
45 Minuten später ist ein Pfeifen zu hören. Knapp 100 Höhenmeter unter mir schlängelt sich die Bahn am Bergrand entlang.

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Eine halbe Stunde Zeit noch für einen Tee bis das Züglein die Höhe hinauf zu uns erklimmt und hinter einer Kurve auftaucht.

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Schwerarbeit für den Motor

cof
Es kann weitergehen mit ordentlichem Zeitverzug. Gegen 16.30 steige ich in Siliguri aus. Ein Chilene, Ricardo aus Vaparadiso, hoch bepackt mit zwei Rucksäcken, spricht mich an. Auch er will nach Nepal. Wir tun uns zusammen. Vor dem Gebäude warten schon die Schlepper der Tuk Tuk und Taxi Vereinigung. Man zieht an uns, bedrängt uns. Zum Glück sind wir zu Zweit. Gegenüber an der Busstation sollen wir statt nach Kathmandu Tickets nach Kalkutta erhalten. Wollen wir aber nicht. Eine Agentur verspricht uns einen Direktbus von hier nach Kathmandu. Nach intensiver Befragung stellt sich heraus, dass der Bus erst hinter der 25 Kilometer entfernten Grenze abfährt. Dann können wir aber gleich die Fahrkarten dort erwerben und jemanden haftbar machen, wenn es ein Fake war.
Ein hartnäckiger Koperer verspricht einen sehr günstigen Tarif bis zur Zollschranke. Unsere Frage bis wann die Grenze wohl offen ist, ignoriert er trotz intensiven nachhaken. Nepalesen und Inder können den ganzen Tag ohne Kontrolle den Schlagbaum passieren. Wir Europäer, die einen Stempel im Pass benötigen, müssen zum Immigration Office und das schließt auf der nepalesischen Seite irgendwann am frühen Abend.
Die Debatte wird hitzig. Zum Glück schaltet sich ein junger Mann ein, der gut Englisch spricht. Er bringt uns zum Touri-Office in einer Bretterbude. Der Chef weiß es auch nicht so genau, aber länger als bis sechs Uhr sei der Übergang sicher nicht möglich. Aus dem Reiseführer weiß ich, in dem Grenzkaff gibt es keine Hotels.
Also ein Bett suchen. Die Herbergen hier schmücken sich mit haushohen LED Ketten. Jede Absteige erweckt so den Eindruck, das Cesar Palace zu sein. Unser Schlepper möchte nicht, dass wir in ein Hotel gehen, das noch passabel aussieht. Wir machen es trotzdem. Zimmer 18 Euro. Soviel hab ich gerade noch in indischem Geld. Ich sage ok. Dem jungen Chilenen, der um die Welt reist, ist es zu teuer. Naja. In Deutschland würde ich mich über das Zimmer beim Ordnungsamt beschweren. Aber ich habe ja einen dünnen Schlafsack dabei, um mich vor all den Flecken auf dem Linnen zu schützen. Ricardo zieht mit dem Schlepper weiter.
Ich mache einen Spaziergang über den Markt und genieße anschließend ein sehr gutes Streetfood für einen Euro.

cof
Ich wechsle noch ein paar Dollar (die wird man am Ende der Welt einzeln besser los als Zehn-Euro-Noten) in Rupies. Genug für ein Bier und einen Wiskey in eine Bar oder was man hier dafür hält.