New Jalpaiguri
Um 5 Uhr morgens klingelt im Liegewagenabteil der Handywecker der Inderin. Anschließend rufen Mann, Sohn, Tochter, Oma, Opa und was weiß ich noch wer an, um zu sagen, „bitte aufstehen, nächste Station aussteigen“. Mit ihr packt auch einer der Studenten, beide haben wohl das gleiche Ziel. Nach dem übernächsten Halt bin ich alleine im Abteil. Zeit noch einmal richtig auszuschlafen. Wach werde ich gegen 8 Uhr als der Schaffner nach den Frühstückswünschen fragt. Jam, Butter, Toast and black Coffee und bitte einen Tetrapack von dem pappsüßen Orangensaft. Ist wahrscheinlich schädlich, kann aber süchtig machen.

Das leere Abteil, die Decken stammen von meinen Mitreisenden.
Mit lesen, rätseln und Fenster gucken verbringe ich den Vormittag. Links und rechts der Scheiben flaches Land bis zum Horizont. Auf den Äckern verrichten die Bauern ihr Tagwerk. Getreide, Reis und Weiden. Die Gehöfte wirken einfach, nur wenige schmucke Gebäude bringen Abwechslung.

naja, durch schmutzige Scheiben knipsen, schwierig
Der Zug hält nur in großen Städten. Die Bahnsteige sind überfüllt. Viele Menschen scheinen dauerhaft hier zu leben. Manchmal stehen Zelte zwischen den Wartenden. Und immer wieder das gleiche Bild. Entlang der Trasse liegt der Müll oft meterhoch. Hütten aus Blech, Lumpen und Papier.

sdr
Gegen 15 Uhr komme ich nach fast einem Tag im Zug mit einer Stunde Verspätung in New Jalpaiguri, einem Vorort von Siliguri oder besser, der Bahnhof der Großstadt, an. Morgen früh startet hier der Toy Train in die Berge nach Darjeeling. Der übliche Stress mit der Tuk Tuk Mafia. Mein Hotel liegt etwa 800 Meter vom Bahnhof entfernt. Der Fahrer fordert einen Preis der deutlich über den deutschen Taxi-Tarif liegt. Wir einigen uns auf ein Drittel, immer noch viel zu viel, aber ich will möglichst schnell in meine Herberge. Ich frage meinen Kutscher, ob er das Hotel kenne. Zur Sicherheit zeige ich ihm nochmal die Adresse auf dem Handy. „No Problem Sir“.
Los geht`s, jedenfalls 100 Meter bis zum Zufahrtstor. Mein Chauffeur hat offenbar keine Lizenz, ist also quasi ein Schwarzfahrer. Und seine Kollegen wollen sich das Geschäft nicht wegschnappen lassen. Ich habe Angst, dass die lautstarke Unterredung in einer Keilerei endet. Nach zehn Minuten dürfen wir weiterziehen. Ja und dann beginnt die Rundreise, vorbei an allen Hotels von New Jalpaiguri. Ich schüttele immer nur den Kopf. „G.D. Hotel“ heißt meine Unterkunft und nicht Bagwan, Himalaya oder sonst wie. „You have told me, that you know this Hotel“ spotte ich. Beim fünften Versuch klappt es dann endlich.

Basic, aber wenigstens außen bunt
Die Herberge ist sehr einfach, aber sauber. Die Klimaanlage ist hinter einer Ecke versteckt, sie bläst also nicht voll aufs Bett, ein Brett ohne Matratze. Ich schlafe ein wenig und danach gehe ich Stadt entdecken. Der Mann an der Rezeption hat einen Kumpel organisiert, der mir erklären soll, wie ich in drei Tagen von hier nach Kathmandu komme. Sein Wissen beschränkt sich darauf, dass er mich für 500 Euro dorthin chauffieren könne. Ansonsten habe ich mehr gewusst.

cof

cof

oznor
Es ist dunkel, einmal die Hauptstraße hoch und runter. Viel ist hier wirklich nicht zu entdecken. Ich lasse mich auf ein ganz einfaches Restaurant im Souterrain ein, ein guter Entschluss.

cof
Das Kartoffelcurry mit Reis ist gut. Und es gibt Bier, nicht offiziell. Der Laden hat keine Linzens. Der Boy holt eine o,75 Liter Flasche. Ich muss mich in die hinterste Ecke setzen, erhalte einen Zinngefäß, in das ein Plastikbecher passt und muss die Flasche unauffällig auf den Fußboden stellen.