Kalka – New Delhi
Aus dem Westen Richtung Darjeeling, an den östlichen Rand des Himalaya, führt der Weg fast zwangsläufig wieder über New Delhi. Eine Zugfahrt entlang des Gebirges wäre zu zeitaufwändig. Ich muss früh aufstehen. Tagsüber gibt es von Kalka nur eine Verbindung Richtung Hauptstadt, der IC um 6.15 Uhr. Mein Hotel liegt etwa 500 Meter vom Bahnhof entfernt. Blöde Distanz. Zum Laufen mit Rucksack (und defektem Rücken) eigentlich nicht nah genug , für ein Taxi nicht weit genug entfernt.

mde
Als ich um 5.30 Uhr losmarschiere öffnen die ersten Läden. Ich muss aufpassen, nicht auf Menschen zu treten, die auf dem Bürgersteig schlafen. Der Zug steht schon bereit, mein Chair-Car 1 Klasse hängt natürlich wieder direkt hinter der Lok. Macht Mindestens 400 Extraschritte. Der Wagen hat IC Komfort. Drei Schaffner pro Waggon kümmern sich um die Fahrgäste.

cof
Es gibt eine kostenlose Zeitung (der geplante Rücktritt von Angie wird auf der Titelseite gemeldet) und -viel wichtiger- ein reichhaltiges und leckeres Dreigang-Frühstück, allerdings mit einer Plastikorgie als Dreingab . Ich habe für die 200 Kilometer keine 10 Euro gezahlt und dann noch Verpflegung. Das ist ordentlich.

sdr
Das Hotel, das mir vor einer Woche in Delhi so gut gefallen hat, ist ausgebucht. Also nehme ich das Nachbarhaus. Naja. Aber für eine Nacht reicht es, basic aber sauber und preiswert auf jeden Fall. Nur beim Bier zocken sie wirklich.
Zunächst mal zur Apotheke, die zweite Ladung Serum gegen Cholera schlucken. Meine Quittung wird, wie in Indien üblich- von Hand zu Hand -vier Hierarchien hoch- und weitergereicht, zwischen Chef und Sohn ein Moment der Diskussion und dann der Griff in den Kühlschrank und da ist sie ja, die kleine Ampulle. Auch sie wandert wieder über eine Distanz von 1,50 Meter durch vier Hände zu mir und in dem kleinen Beutel klebt tatsächlich mein Namensschild mit meiner Unterschrift. Ich nicke heftig und wir lachen.
Draußen ein Moment des Zögerns und schon steht er wieder vor mir, der Schlepper vom letzten Mal vor zwei Wochen, der unbedingt wissen möchte, woher ich komme und wohin ich möchte und unbedingt helfen möchte, alles sei sehr einfach, in der Seitenstraße sei eine Tourist Info, da gebe es Free Maps (und wahrscheinlich überteuerte Touren).
Mein Ziel heute ist der Quatab Minar Komplex. Er ist Zeugnis für das muslimische Indien. Bereits um das Jahr 1200 entstand hier die erste Moschee. Ihr prachtvoller, reich verzierter Steinturm ist noch erhalten. Er ist mit 72 Metern das höchste Minarett. Eine beeindruckende Anlage, deren weitläufiger Park eine Oase der Ruhe inmitten der hektischen Großstadt ist.

cof
Die Tuk Tuk Fahrer im Quartier rund um die Moschee sind besonders hartnäckig und aggressiv. 500 Rupien als erstes Angebot rief ein Schlepper bei der Hinfahrt an der Metro auf. Als er mir immer dichter auf die Pele rückte, ging ich ans Ende der Tuk-Tuk-Schlange. und zahlte 50 Rupien.
Und dazu das besondere Erlebnis auf der Rückfahrt. Schockierend, auch weil sich Indien demokratischen Standards verpflichtet fühlt. Ein Polizist knöpfte sich am Ausgang einen sicher besonders aggressiven Schlepper vor. Das Rezept des Ordnungshüters: Prügelstrafe. Der hat den armen Menschen buchstäblich windelweich gehauen, wie in den fünfziger Jahren bei uns in der Volksschule. Allerdings in diesem Augenblick sanken die Fahrpreise für Touristen drastisch. Für den Kilometer zurück forderte der Driver 20 Rupies. Ich gab dennoch die 50, das sind vielleicht 70 Cent. Die müssen hier für wenig Geld hart arbeiten.

mde
Essen in meinem Lieblingsrestaurant auf der Dachterrasse. Ein Kartoffel-Curry mit Reis. Spicy und richtig gut. Danach noch ein Bier im Hotel und packen.