Palampur – Shimla
Der nächste große Sprung. Etwa 300 Kilometer im Bus auf halber Höhe der ersten Berglinie des Himalaya. Ein Katzensprung? Bei uns. Projektierte Fahrzeit mit dem Bus 10 Stunden. Es sollten 12 plus werden.
Ein hoteleigener Wagen fährt mich zum Terminal. Ticket in der Tasche. Der Fahrer zeigt mir das Gefährt nach Shimla und der Schaffner nickt. Die Hinweisschilder alle in Hindu. Nix verstehe. Kaum drei Minuten später geht es los. Viel zu früh. Aber ok und ganz stolz denke ich: Wieder gut gemacht. Der Dämpfer folgt auf dem Fuße. Als der Schaffner meine Fahrkarte sieht, schüttelt er sein Haupt. Sie sei in diesem Bus nicht gültig. Andere Gesellschaft. Zum Glück: Das Gefährt dreht eine Runde durch den Ort. Am Marktplatz wirft der Fahrer mich raus und deutet in eine Richtung: dort sei Busbahnhof: Der ist freilich 800 Meter entfernt, Rucksack, Handbag und keine 15 Minuten Zeit mehr. Zum Glück hält ein Tuk Tuk. der Preis ist egal, auch wenn der hinterher denkt, wieder einen abgezockt.
Es ist wieder ein alter Bus. Fast leer und es geht in die Serpentinen. Die Straße ist kaum Wagenbreit, manchmal schaue ich ein paar hundert Meter in die Tiefe, oft fehlen die Randsteine. Kurve folgt auf Kurve, bergan, bergab. Ich versuche mich eine Weile am Kreuzworträtsel. Keine Chance.
Plötzlich ein lauter Knall und ein lautes Pfffft. Der Reifen rechts vorne ist geplatzt. Das war es für heute, mein erster Gedanke.

oznor

sdr
Weit gefehlt. Ich lerne das Improvisationstalent der Inder kennen. Ein Anruf, fünf Minuten später erscheint ein Roller mit zwei Mann Besatzung, so eine Art bengalischer ADAC. Etwa alle fünf Kilometer arbeitet ein Reifendienst. Das Geschäft scheint sich zu lohnen.
Der Fahrer steuert das defekte Rad auf einen Stein, damit der kleine Wagenheber einen geringeren Hubweg hat. Auf dem Dach liegt ein Ersatzslick. Profil braucht es hier keines. Es regnet eh selten. Mit einem Seil wird das schwere Teil hinabgelassen, mit einem Hebel der geplatzte Reifen „abgestemmt“, vier Mann wuchten den Ersatzpneu auf die Schrauben, einfach schräg stellen, Hammer benutzen, klappt.
Mit dem defekten Rad auf dem Mittelgang geht es in der Werkstatt der „Zwei“. Ein Raum in einem Doppelhaus am Straßenrand. Wichtigstes Hilfsmittel: ein Kompressor. Hier ist mächtig Betrieb. Drei LKWs hatten ein ähnliches Schicksal. Unser Reifen wird wieder geflickt, könnte ja heute noch mal was passieren.

sdr

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Zwei Stunden Zeit hat die Aktion gekostet. Warten am Straßenrand. Die kleine Bude unter dem Baum wirbt mit Breakfast aber Kaffee gibt es keinen. Wenigstens ne Cola. Weiter geht’s. Der Fahrer drückt jetzt auf die Tube. Zwischenstation an chaotischen Busstationen, kurze Rast an einer Bude. Die Piste wird jetzt besser aber dafür nimmt auch der Verkehr zu. Überholt wird, wo jede Sicht fehlt. Der Schwächere fliegt von der Fahrbahn. Gegenverkehr wird prinzipiell ignoriert.

sdr

sdr

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Es dämmert. Und ich habe nur noch einen Wunsch, endlich ankommen. Ein Pass: 1500 Meter hoch und runter und dann der letzte Aufstieg in der Dunkelheit auf 2.000 Höhe in Shlima. Der Taxifahrer zockt mich dreist ab, indem er in der völlig verwinkelten Stadt viele Ehrenrunden dreht. Am nächsten Morgen entdecke ich, dass der Busbahnhof keine 300 Meter vom Hotel entfernt liegt. Das Hotel ist untere Kategorie und trotzdem das bislang teuerste. Shlima, viele Inder verbringen hier im milden Klima den Sommer, ist über viele Quadratkilometer auf steilen Hängen gegründet. Zu meinem Zimmer muss ich etwa 100 Stufen steigen. Der Raum ist kalt, weil überall Luft durch breite Ritzen zieht. Ich gönne mir eines der besten Restaurants am Platz. Für zehn Euro super geschlemmt.

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