Donnerstag 25. Okt. 2018

Panthankot – Palampur

Den Frust tief weggeschlafen. So gut das Abendessen im Hotel auch war, Frühstück können sie nicht.  Ich habe schon am Abend vorher gepackt, also nur noch duschen und zahlen. Ein Tuk Tuk bringt mich zum etwa 800 Meter entfernten Busbahnhof. 20 Rupies will der Chauffeur  von mir, 25 Eurocent. Ich bin baff.  Bislang habe ich immer aber 50 Rupies aufwärts gelöhnt. Der Bursche kannte wohl den Touri-Tarif nicht. Ich finde es aber  auch ok im gewissen Rahmen abgezockt zu werden. Beim rmv bezahle ich das Zehnfache für zwei Stationen und gebe hier Abends für Bier fünf Euro aus, da kann es auch mal 10 Cent über Tarif sein.

cof

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Es ist richtig Betrieb in der Station. Ich frage mich zu meiner Plattform durch. Der Schaffner deutet mir an, in drei Minuten geht’s los. Es ist doch erst neun Uhr und Abfahrt sollte doch um 9.30 Uhr sein. Entweder der 8.30 Bus startet  zu spät oder, was ich vermute, die mir genanntem Zeiten galten für die  Express-Verbindungen. Ich werde mit dem Oldtimer-Gefährt, in das ich klettere,  wohl jedes Gehöft auf den nächsten 120 Kilometern abklappern. Mit jeder Menge Spaß.

sdr

sdr

Los geht es mit einer Stadtrundfahrt. Auf allen Märkten werden lautstark weitere Passagiere gesucht. Fahrer und Schaffner sind meist ein eingeschworenes Team. Der eine  lenkt, eine Höchstleistung bei dem Verkehrschaos in Indien. der andere muss möglichst viele Reisende anlocken, damit sich die Fahrt rechnet.

fbt

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Irgendwann kommen wir dann wirklich auf eine der Ausfallstraßen. Zehn, fünfzehn Kilometer weit begleiten uns Militäreinrichtungen und Kasernen. Mir war schon in der Nacht zuvor aufgefallen, dass an wichtigen Punkten in Pathakot, Beispiel Bahnhof, Sandsack Barrieren gestapelt liegen, mit Schießscharten, was Hochwasserprävention unwahrscheinlich erscheinen lässt. Und vor meinem Hotel stand über Nacht ein Soldat mit MG als Wache. Pakistan, der Kaschmir sind nahe. Und wenn ein Feind aus dem Norden Indien angreifen sollte, ist es wegen der Topgraphie nur hier möglich. Ein Gefreiter  mit Magazin im Maschinengewehr setzt sich auf meinen Nachbarplatz im Bus. Seine tadellose Uniform beruhig mich. Eliteeinheit, der weiß, dass man eine Waffe sichern muss.

Also hier campieren eine Menge Soldaten. Aber sie müssen nicht nur Krieg spielen. Ganze Kompanien werden wohl abgestellt, wie aus dem Fenster zu beobachten ist, um die Golfplätze ihrer Offiziere zu pflegen.

Am Ortsausgang von Pathankot kann ich für eine Weile die Gleise des Joy-Trains erkennen. Wehmut. Aber auch die Fahrt mit dem Bus gibt Einblicke in eine mir fremde Kultur. Mädchen in Schuluniform, Turbanträger, Frauen in bunten Gewändern, bepackt mit ihren Markteinkäufen steigen ein und aus. In jedem Ort Gemüsestände, Tuchläden und Straßenküchen. Es wird gebruzzelt, frittiert, gedünstet. In riesigen Pfannen köchelt das Fast Food für den Mittag, Teig wird zu Fladenbrot gebacken. Der Bus mal voll und dann wieder fast leer.

sdr

sdr

sdr

sdr

So langsam beginnt der Aufstieg in den Himalaya. Die Straße wird kurvenreich und schmal. Wie im Kamikaze-Kurs wird an unübersichtlichen Ecken überholt. Jeder versucht jeden vom Weg abzudrängen. Der Monsun, der einen Teik der Bahntrasse mitgerissen hat, hat auch unsere Piste schwer geschädigt. Brücken sind weggeschwommen, unser Bus muss sich  langsam über Provisorien tasten. Beim überqueren der Stege kann man die Wucht der Fluten erahnen. Felsen so groß wie Autos haben die Flüsse mit in das Tal gerissen.

oznor

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Es  geht bald steil bergan. Über Serpentinen und Kehren gewinnt der Bus langsam an Höhe. An manchen Stellen haben Sturzfluten die Leitplanken in die Tiefe gerissen, einen Teil des Asphalts  weggeschwemmt. Der Fahrer muss förmlich am Abgrund entlang balancieren. Ich mache dann die Augen einfach zu.

sdr

sdr

Nach fünf Stunden sind die 120 Kilometer endlich geschafft. Ein Tuk TuK bringt mich zum Hotel. Ein schönes Zimmer und von der Dachterrasse aus wirken  die schneebedeckten Gipfel der Himalaya zum Greifen nahe.

oznor

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Mit Ute skypen, ein wenig später Mittagsschlaf, lesen, pflegen und dann zu Abend essen. Herrlich. Hier oben kann ich die Klimaanlage ausgeschaltet lassen. Es ist fast ein wenig zu kühl spätabends in der Bar auf dem Roof.

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