Die Dachterrasse, auf der das Frühstück serviert wird, ist ein Kleinod. Ok. Der Lärm und das Gehupe sind auch hier, fünf Stock hoch, deutlich zu hören. Aber die Atmosphäre ist entspannt. Das Personal kompetent (dabei zahle ich für ein großes Zimmer mit viel Komfort keine 30 Euro). Das Frühstück bleibt eher indisch. Mein Rezept für die ersten Tage: Toast, Jam, Muffins und Banana Pancake.

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Blick vom Dach.
Auf dem Programm steht: „Erste Eindrücke von der City“. Habe im Internet eine Adresse von einem Fummler gefunden, der auf die Reparatur von Panansonic-Kameras spezialisiert ist. Finde den museumsreifen Laden auch in einem unterirdischen Basar irgendwo ganz hinten in der Ecke. Der Meister telefoniert hin und her, aber ein Display für meine alte TZ 31 zu besorgen dauert eine Woche. Deshalb gibt er mir einen Tipp mit: Im Stand 234 verkauft ein Händler billige ältere Kameras. Also durc das Gewühl zum Stand 234. Ich suche eine Sony Coolpix aus. Originalverpackt, aber mindestens seit fünf Jahren im Regal. Ich hatte das Modell mal vor ewigen Zeiten bei Saturn gekauft für knapp 200 Euro. Dafür jetzt 90 Euro zu investieren, ist ok.
Zurück mit dem Bus. Einfach irgendwo einsteigen und tatsächlich fuhr der Oldtimer von British Leyland fast bis zum Hotel. Der Schaffner wollte noch nicht mal Geld.
Mittags mit dem Tuk tuk zum Roten Fort. So langsam legt sich die Depri. Ich werde wieder sicher, lächle, wenn ich von allen Seiten angequatscht werde. So penetrant wie in Indien habe ich die Anmache noch nie erlebt. Jeder hat eine Geschichte. Am Roten Fort steige ich aus dem Tuk Tuk. Sofort will mich ein Koperer in das nächste Transportmotorrad ziehen. Das Rote Fort sei heute geschlossen, so der Schlepper, für 200 Rupies (das ist der doppelte Preis der Hinfahrt) könne er mich in die Stadt zurückbringen. Ich kann vor Lachen kaum, denn gegenüber stehen die Leute in Zweierreihen vor dem Kassenhäuschen.


Natürlich wollen mir „best friends“ auf dem Weg zum Schalter Sonderkontingente zum halben Preis verkaufen (Inder zahlen an der Kasse 80 Cent, Ausländer 8 Euro). Mit meinem Einheimischen-Ticket wäre ich erst bei der letzten Kontrolle 500 Meter aufgefallen. Dann wäre die nette Dame, die mir das die Fake-Karte andrehen wollte, schon längst entschwunden. Jemand spricht mich an: „Hallo ich arbeite in Ihrem Hotel und gerade ein super Angebot für eine Tour“.
Das Rote Fort dokumentiert das Leben der Fürsten und Mararadschas im 17 und 18 Jhr. Eindrucksvoll, nur das Gebäude für den Harem war etwas unterdimensioniert.

cof
Danach schlendern durch das benachbarte „Old Delhi“. Das totale Chaos. Ein Durcheinander von Bussen, Lastwagen, Tuk Tuks, Rikschas, Lastenträgern, die Bürgersteige zugestellt mit Waren und Tischen, ein unbeschreiblicher Lärm. Hanoi ist dagegen eine Wohlfühloase. Aber ich komme immer besser mit dem Trubel zurecht. Ich habe vorher zu viel im Internet über die Risiken hier gelesen, mich verrückt machen lassen. Irgendwie läuft das. aber zwischendurch bin ich von der Straße schon zu Mc Doof geflüchtet, in Ruhe eine Cola trinken.

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Mit der Metro zurück zum Essen in mein Quartier. Das Lokal am ersten Abend war besser. Dieses Mal ist das Gemüsemahl völlig ungewürzt. Auf dem Weg ins Hotel die Abkürzung genommen, einen halber Kilometer durch enge Gassen, kaum einen Meter breit. Da Fenster und Türen offen stehen, kann ich einen Blick in die Wohnungen werfen. Der Schmutz und die Armut sind unfassbar. Die Küchen bestehen aus einem Brett mit Gaskocher und Waschschüssel, eine Decke auf dem Fußboden ist das Schlafzimmer.

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Ja. Es gibt hier eine Oberschicht, eine Mittelschicht. Witzigerweise: bei uns sitzen in den Bussen und S-Bahnen Ausländer, Alte und die weniger Reichen. Hier nutzen die Metro die Jugend, die Mittelschicht, elegante Damen und die ausländischen Touristen. Die Armut ist unvorstellbar. Passanten müssen ständig darauf achten, nicht über verkrüppelte Menschen zu laufen, die auf der Straße liegen, vegetieren. Ich sehe Familien, deren Wohnung eine Baumscheibe ist. Wer bei uns glaubt, den Strom der Menschen, die es nach Europa zieht, aufhalten zu können, irrt. Jede Notunterkunft in Europa ist um ein Vielfaches besser als die Behausungen, die ich auf den 500 Metern durch schmale Gassen gesehen habe.