Donnerstag, 23. Juni 2017 – Rund um das Schwarze Meer. Ankara, München, Mühlheim

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Das Frühstück korrespondiert nicht unbedingt mit der Qualität der Zimmer. Aber es ist das erste Mahl am Morgen seit drei Tagen, das sich Frühstück nennen darf.

Anschließend packen. Check out ist erst um 12 Uhr. Zeit, um durch die Geschäftsstraßen der Umgebung zu bummeln.

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Naja. Wenn ich jetzt noch Aldi finde, kann ich mich hier unten zwischen Georgien und der Türkei niederlassen. Ich habe lange überlegt, ob ich von Ankara aus zurückfliegen soll oder nur bis Georgien fahre. Weniger aus Angst vor Anschlägen mehr wegen der politischen Situation in der Türkei.

Am Ende bin ich froh die drei Tage mit dem Zug drangehängt zu haben. Nicht nur wegen der Landschaft. Es sind die Menschen und nicht die Regierungen. Ich habe mich auf dem Weg mit vielen Frauen und Männern unterhalten, angenehme Gespräche geführt. Embargos gegen Regierungen sind ein Teil, die Stärkung der Zivilgesellschaften durch kulturellen Austausch eine andere. Mir fallen die Menschen ein, denen ich im letzten Jahr auf dem Weg von Mühlheim zum Mekong begegnet sind, die Goethe-Institute besucht haben.

Ich war vor über 40 Jahren das erste Mal in der Türkei, eine Reise quer durch das Landesinnere damals. Danach immer mal. Die Entwicklung dieses Landes ist enorm. Straßen, Bahnlinien, Infrastruktur. Die neuen Trabantenstädte wirken auf den ersten Blick durchdacht. Keine Wohnmaschinen sondern gegliederter Geschoßwohnungsbau. Das Land erscheint im Vergleich zu früher sehr diszipliniert. Vielleicht ist der Grund weshalb in Deutschland ein so hoher Anteil der Türken für die Verfassungsänderung gestimmt haben, diese Ordnung. Als man als Gastarbeiter vor dreißig Jahren nach Deutschland kam, waren die Unterschiede in den Lebensbedingungen zwischen den Ländern  enorm. Heute gleicht sich das wirtschaftlich an. Für viele wächst somit vielleicht wieder der Wunsch in dieser „geordneten“ Welt die Rente zu genießen. Das scheibt man Erdogan zu. Wie lange er das freilich ohne Hilfe noch finanzieren kann, ist eine andere Frage. Der Schlafwagenschaffner im Nachbarwagen, der gut Deutsch spricht, outet sich als Anhänger des Präsidenten und ist sich sicher: Putin und Russland werden einspringen.

Was mir aufgefallen ist. Regierungsgebäude und regierungsnahe Unternehmen sind in eine Flaggenmeer eingehüllt. Im Alltag, im Basar, Geschäften und Kneipen ist die türkische Fahne kaum zu entdecken.

Die Menschen sind immer noch so freundlich und hilfsbereit wie eh und je. Diese Erfahrung will ich gerne mitnehmen.

Der Rest ist schnell erzählt. Airport. Ein ruhiger Flug. Umsteigen in München. Denkste. Lufthansa hat den Jet von München nach Frankfurt gestrichen. Für dieses Holpern im Betrieb ist das Unternehmen überhaupt nicht gerüstet. Ich werde eine Stunde hin- und hergeschickt bis ich Gepäck und Bahn-Fahrschein habe. Null Information. Ich habe Glück, ich kann meine Hand gerate noch in die Tür der abfahrbereiten S-Bahn schieben und erreiche noch den letzten ICE Richtung Hanau am Hauptbahnhof.

Eigentlich hatte ich ja bei der Planung des Trips vor, von München bis Frankfurt mit dem Zug zu fahren.  Falsch gedacht. Wäre ich nicht nach Frankfurt umgestiegen, wäre mein Flug nach München 200 Euro teurer gewesen. So produziert man auch Lärm über meiner Wohnung in Mühlheim.

 

 

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