Samstag, 17. Juni 2017 – Rund ums Schwarze Meer – ein Tag in Tiflis

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Mist, aber ich habe es schon geahnt. Auf booking.com war mein Bahnhofshotel nur eine Nacht frei. Der Mensch an der Rezeption schüttelt heute morgen  nur den Kopf: von Samstag auf Sonntag ausgebucht. Ob das an den vielen Pärchen liegt, die hier übernachten? Ich finde im Internet ein Hotel vielleicht zweihundert Meter Richtung Stadt. Und ich habe Glück. Der Eingang in den langgestreckten Hof wirkt zwar nicht sehr vertrauenserweckend aber dafür steht in der hinteren Ecke ein Backsteingebäude, das gerade revitalisiert wird. Das Haus hat erst vor kurzer Zeit eröffnet. Schöne Zimmer und man bemüht sich, mir bloß alles recht zu machen. War nicht notwendig. Ich bin auf den ersten Blick zufrieden.

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Erst mal frühstücken. In der Bäckerei nebenan lasse ich mir ein Käseteilchen warm machen, einen Kaffee brühen und setze mich ans Fenster Leute gucken. Die Menschen hier wirken entspannt. Man geht seinen Geschäften nach ohne hektisch zu wirken. Tiflis ist für mich die Stadt der Bäume. Viele Bürgersteige säumen zwei Pflanzenreihen mit einem dichten Blätterdach. Da bleiben  die Temperaturen angenehm. Und im Abstand von zwanzig Metern stehen formschöne, unbeschädigte, bequeme und saubere Bänke. Adjektive, die beim urbanen Mobiliar in unseren Breiten in der kompletten Kombination eher selten sind.

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Ja und den musste ich fotografieren. Gab es nicht einmal einen Getränke Hoffmann in Offenbach? Anyway. Hier fahren die Sprinter und Lastkraftwagen, die es bei uns nicht mehr über den TÜV bringen, zu Hunderten mit den Original-Aufschriften aus den Siebzigern: Liecken Urkorn, Schöller Eiscreme, Spenglerei Maier, Schreiner Bolte und und und. In einem kleinen Dorf fuhr ein Kastenwagen mit der Aufschrift Gentlemen-Club an mir vorbei. Ich dachte noch: Naja hier auf dem Land? Dann fiel mir das kleine .de am Schluss der Internetadresse auf. Vielleicht transportiert das Fahrzeug, das einst bei uns der „Sünde diente“, hier täglich Nonnen zum Gebet.

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Ich  schlendere die drei Kilometer vom Hotel in die City um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen: zunächst die Zufahrtsstraßen, die Fahrbahnen an den Kreuzungen doppelstöckig. Es folgt eine ruhige Zone. Hier wird am Rande der Innenstadt gewohnt. Danach ein Pracht-Boulevard mit edlen Geschäften, Parlament, Oper  und Theater, der auf diesem Vorzeigeplatz, der von internationalen Hotels begrenzt wird, endet.

 

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Gleich nebenan liegt die Altstadt, an vielen Ecken sorgfältig restauriert. Überall kleine Geschäfte mit Krimskrams, gemütliche Cafés, Pensionen und Restaurants, die Tische und Stühle auf der Straße stehen haben.

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Na. Und mit den Religionen, das geht wohl auch ganz gut zusammen. Hoffe nur, dass die obere Tafel nicht der Überbegriff ist.

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Ich besuche die Basilika. Ein beeindruckender Sakralbau.

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Das Uhrtürmchen ist keineswegs „antik“ sondern das Werk des Besitzers des Marionetten-Theaters vor dem es steht.

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Die Peace-Bridge ist ein gelungenes Bauwerk zeitgenössischer Architektur.

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Und ich überwinde meine Höhenangst, mache die Augen zu und steige in die Seilbahn.

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Der Blick von oben zeigt wie harmonisch sich die Quartiere in die Landschaft einfügen. Ein tiefes Flussbett durchzieht die Stadt. Unten, entlang des Wasserlaufs, die ruhige Altstadt mit wenig Verkehr und oben hoch über dem Wasser pulsiert das Leben.

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Ein Foto von einer Kirche noch..

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… dann geht’s in Hotel zum Packen .

Für den Abend habe ich ein Restaurant in der Nähe der Universität ausgesucht. Vorstadt schon aber mit Metro-Station. Die Lage birgt aber immer ein Risiko: Es ist zu oder ich finde es nicht und es gibt kein richtiges anderes Lokal in der Nähe.

Aber ich habe dreimal Glück:

– von der Metro in das Lokal sind es nur ein paar Meter
– ein Saxophon und ein Klavier machen angenehme Musik
– und es schmeckt

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Ich genieße vorweg Teigtaschen mit Fleisch. Dazu einen Salat „Tiflis“. Hauptgang ist eine Kartoffel- Fleischpfanne mit allerlei feinen Zutaten. Und ein Cognac zum würdigen Abschluss.

Es ist fast 23 Uhr. Die Metro Richtung City ist brechend voll. Die Studenten machen sich  auf, um ins Wochenende zu feiern. Wie bei uns und auch im Qutfit kaum zu unterscheiden. Ich überlege immer noch ob Georgien zu Asien oder Europa gehört. Im Fußball gehören sie zur UEFA aber auch sonst. Die Menschen hier könnten auch aus einem unserer Nachbarländer kommen.

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Ich muss morgen um 5.15 Uhr aufstehen. Es geht weiter. Abfahrt 6.30 Uhr Tiflis Central.

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