
Das Bett ist gut, die Dusche sauber. Einziges Problem. Die Wand zum Gang ist voll verglast. Wenn draußen jemand das Licht anknipst, dann ist der Vorhang hell erleuchtet. Ein letzter Blick am Morgen auf den sauberen Pool. Schade, keine Zeit. Dann mache ich mich auf, um mit dem Rucksack und der kleinen Handtasche in Richtung zu der neuen futuristischen Station, völlig überdimensioniert für die vielleicht zehn Personenzüge pro Tag.

Die Bank hat noch nicht geöffnet, aber ein Automat in einem abgeschlossenen bewachten Vorraum ist auch ok für meine ersten georgischen Lei. Euro am Fahrkartenschalter geht nicht. Es ist noch Zeit für ein würziges Käseteilchen. Der Kaffee ist -wie überall in Georgien- sehr gut.

Gegen 8.30 Uhr verlässt mein Triebwagen pünktlich Gleis 1. Die Fahrt führt für einige Stationen am Meer entlang. Es ist eine zauberhafte Küste, üppige Vegetation bis an den Strand, immer noch weitgehend unverbaut, viele Villen schmiegen sich an die Hänge. Es wird in den Tourismus investiert. Georgien könnte einmal der Türkei als Destination Konkurrenz machen.

Allmählich macht der Triebwagen Höhemeter. Die Schienen klettern in eine langgezogene Ebene, die von Hügeln eingegrenzt wird. In der Ferne ragen alpine Gipfel in die Wolken.


Der Schienenbus hat seine besten Jahre wohl hinter sich gebracht. Nach drei Stunden wird es hektisch in der Kabine vorne. Zug- und Lokführer rennen abwechselnd durch de Waggon, um am Schaltschrank einen Kompressor anzuwerfen. Nach kurzem Rattern quittiert die Maschine danach regelmäßig mit einem tiefen Seufzer wieder ihren Dienst. Der Wagen wird langsamer bis zum nächsten Versuch. Das Schauspiel beginnt nach einer Stunde zu nerven, zumal die beiden Reparateure offensichtlich konträre Strategien verfolgen und zunehmend lauter und aggressiver kommunizieren. Endlich: mit einem Schnaufen wie aus dem hintersten Zwerchfell verabschiedet sich das Teil ins Jenseits. Der Zug steht. Einige Telefonate später rollen die Wagen Dank der Schwerkraft in die letzte Station zurück.


Hier wartet schon eine riesige grüne E-Lok, die den antriebslosen Triebwagen zum Ziel nach Kutaisi bringen soll.
Mein Quartier liegt nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt. Ein Paar vermietet drei Zimmer. Einfach, aber sauber. Das Bad allerdings muss ich mit meinen Nachbarn aus England teilen. Ich habe quasi mit den ersten Topfen das kleine Haus erreicht. Die nächsten drei Stunden schüttet es sprichwörtlich aus allen Wolken. Zeit zum dösen und zum surfen.

Abends dann ein wenig die Stadt beschnuppert und in einem angenehmen Restaurant für kleines Geld gut gespeist. Naja, der Service muss noch ein wenig üben: die Pommes mit der Rechnung bringen ist eher blöd. Aber der Spieß war richtig lecker, vor allem die Soße.