
Zwei Nächte will ich in Kutaisi bleiben. Heute soll es ins Gebirge gehen. Auf der Strecke werden die letzten Boxcab-Loks eingesetzt. 9.20 soll Abfahrt sein. Der Kopfbahnhof ist ähnlich modern wie der in Batumi, nur dass hier noch weniger Züge ankommen. Die riesige Halle ist menschenleer. Hinter drei Schalterfenster und einer Informationsklappe langweilen sich uniformierte Beamtinnen plus reichlich Aufsicht.
Ein Ticket ins Gebirge, kein Problem. In den Aushängen ist der Zug gelistet und auch die aktuelle Digitaltafel draußen signalisiert eine baldige Abfahrt. Nur, es sind weder Lok noch Wagen zu sehen. Nach einigen Fotos von den Maschinen auf den Nachbargleisen frage ich einen Aufseher und erfahre, der Frühzug falle bis auf weiteres wegen Bauarbeiten aus. Er fahre nur an Wochenenden. Ich könne aber den Abendzug (ohne Rückkehrmöglichkeit am nächsten Morgen) nehmen. Auf meinen Protest kommt die Oberaufseherin, die leidlich Englisch spricht. Ich frage sie warum der Zusatz „wegen Bauarbeiten nur an Wochenenden“ bei dem Abendzug stehe bei dem Frühzug aber „Daily“. Bei dem reichlich unterbeschäftigten Personal wäre doch schon Manpower vorhanden, den Fehler auf den etwa zehn Ausdrucken im Bahnhof kurzfristig zu ändern. Ihre Erklärungen konnten nicht wirklich überzeugen.

Bei und in Mühlheim passt maximal die Hälfte in so ein Sammeltaxi.
Also bin ich ins Stadtzentrum zurück marschiert. Um 11 Uhr fährt ein Minibus zum Kloster Gelati, im Mittelalter ein bedeutendes kulturelles Zentrum für Georgien.


Seine Lage auf einem Gipfel ebenso beeindruckend wie die erhaltenen Sakralbauten und Wandmalereien. Derzeit wird die Anlage mit hohem Aufwand saniert. Hier oben ist es angenehm kühl, ich habe genug Wasser dabei und Bänke zum dösen gibt es reichlich auf der Wiese. „Leute gucken“ ist auch mal interessant.

Blöd nur: Das Kloster heißt Gelati, so ein Eissalon in der Nähe wäre ja angemessen. Und außerdem: bei uns in der Rhön ist ein Kloster eh erst ein richtiges Kloster, das Sünden vergeben darf, wenn nebenan auch eine Klosterbrauerei Starkbier ausschenkt und kräftige Brotzeiten serviert. Und begrüßt werden die Pilger in der Rhön mit einem vollen Krug mit reichlich Schaum vom „Pater Tourismus“, der in der Regel drei Zentner schwer ist. Hier warteten draußen einige Stände mit Devotionalien, die sich im Verhältnis 1:1 zwischen der orthodoxen Kirche und der europäischen Champions League von Bayern bis Real verteilten.

Zurück in der Stadt genieße ich eine Kaffee mitten im Park. Ganz Kutiasi scheint hier unter dem dichten Blätterdach Kühlung vor der Hitze zu suchen.

Trotz Höhenangst mache ich mich anschließend mit der Seilbahn auf den Hausberg bevor ich zum Ende des Nachmittags durch die riesigen Markthallen stromere.





Das mediterrane Angebot ist phantastisch. An Fleisch, Käse, Geflügel, Gewürzen und vor allem an Obst und Gemüse. Die Tische scheinen sich förmlich zu biegen. Von überall werden Kostproben gereicht.

Zum Abendessen besuche ich das gleichen Lokal wie am Vortag. Bei herrlichem Wetter lädt die Terrasse zum Sitzen ein. Ein gemütlicher Ort zwischen all dem alten Gemäuern. Reisbällchen mit Käse stehen auf dem Speiseplan. Dazu exzellenten georgischen Rotwein plus Brandy zum Abschluss
Wie am Vortag. Das Essen ist gut, der Service eine Katastrophe. Junge Leute, die perfekt Englisch sprechen, aber wie aufgescheuchte Hühner sinnlos hin und her rennen. Bei zehn Tischen draußen und drei Kellnern sind über 30 Minuten definitiv zulange bis zur Aufnahme der Bestellung.

Ja und der hat mich den ganzen Abend beobachtet.