Ich habe super geschlafen in meine Appartement. Morgens noch ein wenig Wahl in Großbritannien im Internet genossen. Dann wurde die Zeit schon knapp. Schließlich musste ich noch einen Computerladen finden. Der Kartenleser ist kaputt.

Der Hafen von Odessa liegt weit außerhalb, eine Stunde Fahrt mit dem Minibus. Bis 14 Uhr muss man einchecken in einem Büro, das weit vom Hafen entfernt in einem modernen Business Center, das einsam auf einer Wiese ein Gewerbegebiet vorgaukelt. Sonst darf man die Fähre vier Tage später nehmen. Um 13 Uhr war alles erledigt. Der Dampfer sollte aber erst gegen 21 Uhr ablegen. Der Rucksack auf meinem Rücken sprach gegen eine Rückfahrt nach Odessa.

Warten auf den Bus im Nirgendwo
Ich nahm den Mini-Bus in den nächsten Ort, der ein ansehnliches Zentrum hatte. Gelegenheit im Park bei Cappuccino und Stückchen zu lesen.


Hochzeitsmahl an der Curry-Bude
Gegen fünf ging es wieder Richtung Schiff. Die letzten 500 Meter musste ich mich zwischen zwei langen LKW-Schlangen durchlavieren. Für Passagiere ist die Fähr-Verbindung nicht gedacht. Um 18 Uhr gab ich an der Pforte mein Ticket ab und war damit in einem Fensterlosen Raum ohne Klimaanlage mit etwa dreißig anderen Menschen gefangen. Ohne Getränkeautomat. Irgendwann stellte ich fest, wer sich als Raucher ausgab, durfte an die frische Luft. Mit entzugsimitirendem Verhalten schlich ich fortan regelmäßig an dem Zerberus an der Tür vorbei. Problem anschließend musste ich warten bis wieder ein Raucher drinnen einen Sitzplatz räumte.

Warten. Diesmal auf das Schiff
Die Fähre sollte gegen 21 Uhr ablegen, gegen 1 Uhr nachts durften wir dann endlich Richtung Bord. Dachten wir. Zollkontrollen in der Ukraine können anstrengend sein: Warten in einem dunklen Gang. Nach zwanzig Minuten wurde ich in einen Raum gerufen. Der Zollhund, der mich an der Tür beschnüffelte, knurrte ungnädig. Das Gepäck wurde in eine riesigen Scanner geschoben, lief vor, lief zurück, lief vor, lief zurück and so on.
Mein Name wurde auf der Passagierliste abgeharkt. Dann anstehen vor der Passkontrolle. Eine Mitarbeiterin blätterte die Seiten einzeln durch, dann die gleiche Prozedur mit einer zweiten Beamtin. Sicher ist sicher, neue Passagierliste abharken. Wird schon seinen Grund haben. Endlich raus in den Bus. Warten, denn dreißig andere Passagere kommen ja noch. 100 Meter Fahrt bis zur Gangway. Polizeikontrolle. Passagierliste abharken. Logisch.
Das Schiff fuhr einst auf der Ostsee, was man schon daran erkennt, dass alle Karten an den Wänden die Routen zwischen Kiel und Helsinki zeigen, die Bilder daneben Hansestädte portraitieren und die Bar wie eine Helgoländer Kneipe eingerichtet ist.
Die Kabine ist ok, mit eigener Dusche und Toilette. Gegen drei Uhr stellte jemand seinen Rucksack in meiner Kajüte ab und murmelte „Guten Nacht“ und war verschwunden.