Sonntag, 11. Dezember 2016, Saigon

Ein Satz zu Vietnam, China und die USA

Saigon. Die letzte Nacht in Vietnam. Ende der Zugreise. Das Hotel war fast am Flughafen. Naja. Etwas abgewohnt. Sonntag Abend, offenbar der Tag für den gemeinsamen Restaurantbesuch der vietnamesischen Familie. Ich bin in ein dafür typisches Lokal geraten.  Schade, dass ich beim  Essen meinen  Foto nicht dabei hatte. Habe mich mit Fleisch in Reispapier verköstigt. Kleine Scheiben vom Schwein  sollte ich auf dem Teller mit Gemüse, Nudeln, Chili etc in das Papier einrollen. Mit Stäbchen natürlich. Also Nudeln mit Stäbchen: das schaffe ich. Aber diverse  Zutaten in Reispapier mit Stäbchen rollen. Mission Impossibile. Ein Kellner hat sich meiner erbarmt.

Saigon, Ho Chi Minh Stadt wie es offiziell heißt, kenne ich von früheren Besuchen. Ich mag die Stadt nicht besonders. Hektisch, stickig, keine urbane Handschrift, der Markt eine Ramschbude für T-Shirts und Imitate. Interessiert haben mich bei den vergangenen Besuchen eigentlich nur die Orte, deren Geschicke und Geschichte ich vor 50 Jahren als Jugendlicher im Fernsehen erlebte: der Präsidentenpalast, die US Botschaft (abgerissen) der Landplatz auf dem Dach für die letzten Flüchtenden, die Telefonzellen in der Hauptpost (sind heute Geldautomaten drin), aus denen die Korrespondenten ihre Artikel in alle Welt durchtelefonierten und das Caravelle Hotel, in dem Peter Scholl Latour und all die anderen die von dem Krieg berichteten, schliefen.

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Ja und dann war ich vor ein paar Jahren auch im Revolutionsmuseum. Eine Bekannte hatte mich zu dem Besuch animiert. Ein Foto aus ihren SDAJ Zeiten hing dort in einem Saal. Es zeigt eine Demonstration gegen den Krieg in Hamburg.

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Am Vorplatz alles noch normal. Die Veteranen aus den USA besichtigen das Kriegsgerät, das ihnen der Vietcong enteignet hat. Drinnen dann kamen all die Bilder zurück, die man schon längst in der hintersten Datenbank des Hirns vergessen hatte: Das Massaker von My Lai, die Erschießung des Vietcongs, der sich ergeben hatte, die missgebildeten Embryos nach den Napalm-Angriffen und und und. Als ich aus den Hallen ging, saß ich wie die meisten anderen erstmal regungslos für 15 Minuten auf einer Bank.

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Ja und dann die Überraschung: Im letzten Ausstellungsraum nach den üblichen Bildern „Kinder malen für den Frieden“ hingen sie, die Fotos mit der eindeutigen Botschaft: unser Freund Bill Clinton, unsere guten Beziehungen zu den USA, ewige Freundschaft und so. Und zwei Wände weiter: unser ewiger Aggressor: China, nebenbei das Land, das ihnen half den Krieg zu gewinnen.  Gut oder besser ok: Wir hatten da mal zehn Jahre irgendwelche Händel mit den USA, aber unsere Jahrhunderte alte Feindschaft, die pflegen wir mit China, egal wie die uns mal aus der Patsche  geholfen haben. Diese Rivalität ist wohl in der DNA jedes Vietnamesen verankert. Rutscht jemand dort auf der Bananenschale aus, wird er sagen, „Schuld haben die Chinesen“ und schmeckt die Suppe nicht „klar, China war es“. Das ist so wörtlich zu nehmen.

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Die Auseinandersetzung mit China hat an Schärfe gewonnen seit sich beide Länder um die Paracelsus Inseln im Südchinesischen Meer streiten. China reklamiert für sich die Ölvorkommen dort. Das ist ein Grund. Der andere: Trotz der langen Küste müssen Schiffe aus  China auf dem Weg ins offene Meer immer an anderen Ländern vorbei. Irgendjemand steht immer im Weg: Korea, Japan, die Philippinen oder Vietnam. Mit den Inseln hätten sie freie Fahrt.

Ja und Vietnam versucht an jedem Ort zu beweisen, dass die Eilande seit Urzeiten zu dem Land gehören. In jedem Bahnhof, an jedem öffentlichen Ort eine Schautafel, die nur eine Interpretation zulassen: „das ist unsere Einlande“. Egal in welchem Museum: Tapetenfunde aus dem 6. Jahrhundert, Vasen aus anno 1233 oder Hufnägel aus dem Jahr 1756 stellen immer einen Bezug zu den Inseln her mit eindeutigen Indizien, dass sie seit Menschengedenken zu Vietnam  gehören. Ich glaube die Karten im Historischen Museum in Hanoi zeigen, dass bereits die Dinosaurier, die vor Millionen Jahren in friedlicher Absicht zu den Eilanden geschwommen sind, aus Vietanam kamen.

Und natürlich auch immer ein Foto wie gerade ein amerikanischer Flugzeugträger in der Nähe vorbeifährt und im Notfall helfen würde. Bilder, die suggerieren, unsere einstigen Gegner sind heute unsere Best Buddies.

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