Dann hat er mich doch gestochen, der Hafer. Minh hat mir noch ein Ticket für den Zug am nächsten Morgen nach Saigon besorgt. So wird aus „Hanau – Hanoi“ vom „Markwald zum Mekong“. Leider war für die 1.600 Kilometer nur noch ein Upper Bed frei. Aber in Saigon ist endgültig Schluss. Richtung Thailand fehlen zwischen Saigon und Phnom Penh in Kambodscha 100 Kilometer Gleis, davon 1.000 Meter für eine Brücke über den Mekong.
Ein australisches Konsortium hat das Bahnnetz in Kambodscha tip top modernisiert, wohl in der Hoffnung auf den Transit von Containern von China nach Singapur. Heute fährt täglich im ganzen Land ein Güterzug aus der Hauptstadt zur Küste und am Wochenende auch mal ein wenig Personenverkehr. Richtung Norden gibt es den Bamboo Train, Illegale Draisinen auf denen sich Touristen durch den Busch chauffieren lassen können. An der Grenze nach Thailand ist die Strecke mit riesigen Spielcasinos im Niemandsland auf zwei Kilometer überbaut. Als ich vor einigen Jahren hier zu Fuß den Schlagbaum passierte, hatte ich das Gefühl: rechts der Straße „Dritte Welt“ links Las Vegas.
Zurück nach Hanoi. Um sieben Uhr weckt mich der Stadtfunk vor meinem Fenster. In Hanoi hängen in jeder Straße Lautsprecher und zweimal am Tag verkündet das Rathaus so seine Neuigkeiten. Müllabfuhr, Sprechstunden aber auch, so wird mir berichtet, die kleinen Sünden der Hanoier: Steuern zu spät gezahlt, Bürgersteig nicht gekehrt.


Neben meinem Hotel die Straße, in der die Zunft der Moped-Werkstätten zuhause ist. Aber immer mehr Hanoier fahren Elektro. Das wird die Betriebe hier im Kleinen so treffen wie die Belegschaft in Wolfsburg im Großen.
Reisevorbereitungen. Das bedeutete vor allem, wo bekomme ich das Display meines Tablets repariert. Gut das sich in Hanoi viele Branchen an einem Ort konzentrieren. Ich klappere bestimmt zwanzig PC-Doktoren ab. Ein deutsches Fabrikat? Keine Glasscheibe auf Lager. Endlich. Es ist fast der letzte Versuch. Die Chefin hat auch kein passendes Display, beauftragt aber ihre Jungs die Splitter wieder zusammenzusetzen und eine Sicherheitsscheibe darauf zukleben. Es bleibt ein kleines Spinnennetz aber die kleine Maschine funktioniert wieder. ( 8 Euro für zwei Stunden Arbeit).
Die vietnamesische Gesellschaft in nach Konfuzius sehr klar geregelt. Eine Regel von Konfuzius: Mann vor Frau. Frauen machen hier die Schwerarbeit, schleppen Säcke, während die Männer seelenruhig daneben hocken und palavern. Sie kennen, so Christian Oster mal zu mir, eigentlich nur ein Thema und mögliche Geheimtipps von Nashornpulver bis Käferhirn.

Auf meiner Fahrt von Halong nach Hanoi konnte ich beobachten wie vier Mädels an einem Bahnhof Schwellen mit der Hand ausgewechselt haben, während die Jungs gute Ratschläge gaben.
Bei meinem Rundgang durch die Computergeschäfte ist mir aufgefallen, dass sie fast alle von Frauen geleitet werden. Die Männer schrauben und setzen die Platinen ein, nach weiblicher Anweisung. Das mit besserem technischem Verständnis zu begründen, liegt oberflächlich zunächst nahe. Ich glaube aber der eigentliche Grund ist, dass in Vietnam sehr viel mehr Frauen in der Schule des Ehrgeiz hatten, Englisch zu lernen, die Sprache gut sprechen. Und ohne Englisch kann man in dieser Branche nicht bestehen.




Ich besuche während der Reparaturzeit ein anderes von Frauen erfolgreich geleitetes Unternehmen, meine Lieblingssuppenküche. Der Stand steht gerade so am Rande der Altstadt. Ein Tisch, einige Kinderhocker, ein Grill und Kochtöpfe. Ich habe die hochbetagte Chefin noch vor drei oder vier Jahren selbst kennengelernt. Unbeweglich wie Buddha blickte sie von ihrem Sitz über das Geschehen. Jetzt betreiben ihre Tochter und die Enkelinnen das Geschäft. Eine Stunde ist am Tag nur geöffnet, aber für das Besondere ihrer Suppe braucht es eine lange Vorbereitung. Das Fleisch wird an kleinen Bambusstöcken gegrillt und erhält so seinen würzigen Geschmack. Die Nudeln werden nicht in der Brühe serviert sondern zusammen mit einem Teller mit Kräutern gereicht. Man nimmt ein Blatt und eine Portion Nudeln mit den Stäbchen, tunkt alles in die Suppe und lässt die kleine Köstlichkeit auf der Zunge zergehen.
Zurück zum Hotel nochmal durch die Altstadt. Die riesigen Markthallen sind immer noch eine Attraktion. Hier gibt es alles. Für jede Küche, und jeden Geschmack. Viel Getier krabbelt noch in Eimern, es duftet nach exotischen Gewürzen, Früchte, die bei uns in keinem Spezialitätengeschäft zu finden sind.


Abends ins „Home Vietnames Restaurant“ statt ins „1946“, das nur noch schlechte Kritiken erhält.. Man sollte den neuen Aufsteiger gleich besuchen und nicht warten bis er satt ist und sich auf seinem Ruf ausruht. Ich werde nicht enttäuscht. Rindfleisch mit Gemüse bruzzelt im Wok auf meinem Tisch über einem Feuer aus Zitronengras. Das liebe ich an Vietnam: Streetfood am Tag und eines dieser guten, und noch sehr gut bezahlbaren Restaurants am Abend.


Zurück durch die Altstadt. Freitags abends werden die Straßen für einen riesigen Markt gesperrt. T-Shirts, Imitate, Modeschmuck und Handyhüllen satt.