Dienstag, 6. Dezember 2016, Lao Cai – Hanoi

Die letzte Etappe meiner Tour von Hanau nach Hanoi? Es sei denn, mich sticht noch einmal der Hafer, mir wird nach vier Tagen in Hanoi langweilig und ich hänge die 1600 Kilometer von Hanoi nach Saigon nochmal dran. Klingt ja auch besser: Vom „Markwald zum Mekong“.

Nach dem guten Essen im Pineapple  im Hotel ein kleiner Dämpfer: die meisten Provider in Vietnam haben das Programm für meinen Blog gesperrt, so ist zu googlen. Im Norden Vietnams generell. Also schreibe ich zunächst im Trockendock.

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Bett ok aber das  Frühstück ist trotz der schönen Terrasse am Fluss mit Aussicht auf das andere Ufer sehr unansehnlich wie mir ein Blick auf den Nachbartisch verrät. Also nur ein (seltsames) Brötchen mit Marmelade und einen Kaffee. Dafür habe ich es nur 200 Meter zum Bahnhof. Um 10 Uhr ist Abfahrt und gegen 19.30 Uhr soll ich in Hanoi sein. Eine angenehme Überraschung. Laut Internetfahrplan bei seat61.com  sollte der Trip eine Stunde früher beginnen und erst gegen 20 Uhr enden.

 

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Im Hotel wird getagt. Eine Damenriege  begrüßt die Gäste. Ich nehme das Spalier als die Ehrerbietung vor einem älteren Herrn, der auf dem Egotrip von Deutschland in den fernen Osten ist. Es nieselt aber es ist angenehm warm. Die 200 Meter sind schnell geschafft. Auf den Gleisen wird rangiert. Also unauffällig durch den Personaleingang, denn die Bahnsteigsperre ist noch verschlossen. Es gibt reichlich Bilder. Der Güterzug aus China ist angekommen. Den hat noch niemand in meiner Train-Internet- Community gespottet.

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Die Strecke Lao Cai – Hanoi wird im Personenverkehr dreimal nachts mit Schlafwagenzügen befahren. Diese Waggons auf den Abstellgleisen sehen zwar etwas plüschig aber insgesamt sehr ordentlich aus. Ich fahre mit einem Regionalzug, der eigentlich nur für den Verkehr von Ort zu Ort gedacht ist.

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Auf den ersten 150 Kilometer werden vor allem Güter transportiert. Menschen bringen ein Moped, ein Bett, Textilballen oder Körbe mit Obst und  Gemüse an die Laderampe des Gepäckwagens, telefonieren mit dem Empfänger. Der steht einige Stunden später irgendwo in der Pampa und übernimmt die Sendung. Ja und sonst gibt es noch einen Schlafwagen, einige Waggons Dritter Klasse und einen Wagen Zweiter Klasse,  den ich für die nächsten zwei Stunden beinahe exklusiv für mich habe.

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Mein Waggon ist ziemlich heruntergekommen. Wahrscheinlich rumänische Produktion, 1975 von der Deutschen Reichsbahn ausgemustert, nach Bulgarien verliehen und 1988 als Zeichen der ewigen  Freundschaft zwischen der DDR und der sozialistischen  Volksrepublik Vietnam nach Fernost verschifft, gegen harte Devisen natürlich. Die Schaffnerin biete mir wohlmeinend ein Upgrade für den Schlafwagen an. Aber ich will aus dem Fenster schauen.

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Der Zug mäandert die ersten Stunden mit dem Roten Fluss. Links und rechts des Bahndamms kleine Felder. Es ist fast wie eine Zeitreise durch das Tagewerk eines vietnamesischen Landwirts. Aus dem  Fenster eines Zugabteils wirkt das Geschehen romantisch, fast wie eine Aufforderung „Zurück zur Natur“, besonders dann, wenn ein Reisbauer am Rande seines Feldes hockt und dem Reis beim Wachsen zuzuhören scheint. Bestimmt gibt es hier zwei, drei Ernten im Jahr, trotzdem wirkt die Gegend nicht wohlhabend.

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Hier wird noch viel mit den Händen gearbeitet, mit Schippe und Hacke. Ochsen ziehen die Pflüge und Eggen. Landfrauen setzen die Reispflanzen in den Schlamm. Man fährt mit dem Fahrrad auf das Feld. Schmale Kanäle dienen der Bewässerung. Abends dann sitzen die Menschen fast  pittoresk um einen der zahllosen Teiche unter Sonnenschirmen und angeln.
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Immer wieder Halt an kleinen Stationen. Drei Stunden vor Hanoi beginnt sich mein Wagen zu füllen. Es sind Menschen auf Verwandtenbesuch, die Taschen prall voll mit den Gütern des Landes, fast wie im Hamsterzug. In Hanoi fährt die Bahn zunächst auf einem Damm entlang der Altstadt dann zu ebener Erde durch das Quartier um den Hauptbahnhof. Hier sind die Gleise der Vorgarten.

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Auf ihnen wird tagsüber die Wäsche getrocknet, hier werden Nudeln ausgerollt, man hockt auf dem Schotter um zu Essen. Bei  meinen früheren Besuchen von Hanoi bin ich durch diese Gegend gestreift. Weiß welche Mühe es den Schrankenwärterinnen kostet, ihre Gitter über die dicht befahrenen Straßen zu rollen. Ein Kampf der oft zehn Minuten dauert, weil immer wieder Mopeds den Durchbruch wagen. Deshalb enden die meisten Züge tagsüber an einem der Vorortstationen.

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Es ist 19.30 Uhr, fünf Minuten vor der fahrplanmäßigen Ankunftszeit. Mein Zug rollt durch ein Tor in den Hauptbahnhof. Hanau-Hanoi: es ist geschafft. Raus. Das Foto mit der Lok klappt nicht mehr. Zu dicht das Gedränge. Der übliche Stress mit den Koberern, die mich in ein Taxi ziehen wollen. Ich halte eines auf der Straße an. Der Tacho ist mäßig auf den doppelten Fahrpreis manipuliert wie man nach zweihundert Metern erahnen kann. Als mein Chauffeur nach rechts zu einer abendlichen „Stadtrundfahrt“ abbiegen will, zeige ich dezent nach links in die richtige Richtung. Naja, Profi ist er noch nicht. Er entschuldigt sich.  Dann endlich: ich bin da.Ein richtig heimeliges Hotel in einer ruhigen Seitengasse, ein wenig abseits der Besucherströme aber nahe genug an der Altstadt und fast direkt neben der Kathedrale. Eines meiner Lieblingsrestaurants das Porte dànnam  ist nur wenige Schritte entfernt. Vietnamesisch mit französischen Akzenten. Die Besitzerin kommt aus unserem Nachbarland. Ich leiste mir ein Acht-Gang -Menü. Wie immer sind die Vorspeisen und das Dessert  exzellent und die Hauptspeise sehr gut.

Leer aber glücklich kuschele ich mich nach so vielen Nächten auf Pritschen und Liegen in ein richtiges Bett.

 

 

 

 

 

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