Sonntag, 4. Dezember 2016, Kunming

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Der Weg aus dem Bahnhof auf den Vorplatz ist weit. Hochsicherheitszone. Vor ein paar Jahren starben hier bei einem Anschlag dreißig Personen. Zum Glück ist das Hotel in Sichtweite. Vorbei geht es an ungezählten Essensständen. Hier wird viel mit Kartoffeln gemacht.

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Das Zimmer hält nicht ganz was die Lobby verspricht. Aber bei dem Preis (40 Dollar mit Frühstück) will ich nicht meckern. Sauber alles da, was man braucht.

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Kunming ist Boomtown. Die Einwohnerzahl hat sich im letzten Jahrzehnt auf neun Millionen fast verdoppelt. Ich marschiere nach dem Auspacken  ziellos durch die Stadt. Hochhaus an Büroturm. Eine U – Bahn wird gebuddelt.

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Als es dunkel wird besuche ich die Filiale einer Fastfoodkette aus Kunming, die gut sein soll. Am Schalter hilft mir ein Student bei der Bestellung und erklärt mir den Workflow. Mit dem Bon bekomme ich an der Essensausgabe Nudel und Hühnchen plus ein Bier für 1,50 Euro. Es schmeckt.

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Trotzdem gönne ich mir nebenan in einem italienischen Café noch einen richtigen Cappuccino plus eine Waffel mit Karamell und Zimt. Einmal im Urlaub darf Naschen erlaubt sein.

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Ich kann verstehen, dass die Glitzerwelt hier die Menschen aus dem Braungrau der Provinz magisch anzieht, ihnen Glück verspricht. Überall blinkt es, Citylights. Schaufenster mit allem was das Herz begehrt. Aber auch die Schattenseiten sind nicht zu übersehen. Bettler, Menschen, die in Torbögen etwas Wärme suchen. Frauen, die bis Mitternacht stehen, um  einige Äpfel zu verkaufen.

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Morgens Frühstück im 22. Stockwerk. Hier kann man die Dimensionen der Stadt erahnen und ihre Lage vor der imposanten Bergkulisse bewundern. Das Frühstück steht unter starkem chinesischem Einfluss. Eine Wurstsemmel , das wäre mal was. Aber es würde sich für das Hotel auch nicht lohnen. Am Nachbartisch nur noch ein westlich  aussehendes Ehepaar, Deutsche, mein Alter. Ich spreche sie nicht an, denn offenbar hat ihre Zoffskala Orkanstärke erreicht.

Natürlich nervt auch hier wie überall (und auch in den besten Restaurants)  in China ein Bildschirm. Frühstücksfernsehen. In den News wird ausführlich über die Wahl des Bundespräsidenten in Österreich vom Vortrag berichtet und von der Volksabstimmung in Italien, die erst vor zwei Stunden endete. Ein Beitrag über die Gründe für das Erstarken der Rechten in Europa, sachlich, ohne Zeigefinger, so interpretiere ich die Bilder und die Tonlage des Sprechers. Schon interessant: China lässt bei Wahlen nur ein sehr eingeschränktes Kandidatenportfolio zu, zeigt aber im Staatsfernsehen wie Demokratie geht. Ein Appetitanreger? Vor acht Wochen war ich in den USA: Österreich, Italien? What´s that? Wahrscheinlich gab es zu beiden Ereignissen weder ein Bild noch eine Zeile.

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