
Buchara. Einst ein Zentrum auf der langen Seidenstraße. Der Zauber der Stadt, die Magie des Orients ziehen mich sofort in ihren Bann. Buchara ist seit über 2.500 Jahre bewohnt. Eine Oase auf dem Weg von der Wüste Gobi in die prachtvollen Städte Persiens, Drehkreuz zwischen den Hochkulturen in Indien, China und dem Orient. Die Seidenstraße war ein Handelsweg nie ein eigener Kulturraum. Handel heißt immer auch Toleranz, sprachliche Vielfalt, ohne Vorurteile gegen Religionen, offen für neue Ideen. Noch immer sind diese liberalen Einflüsse in der Stadt zu spüren. Das Sprachtalent scheint in den Genen die Jahrtausende überdauert zu haben. Es ist kein Problem hier nach dem Weg zu fragen. Usbekistan ist ein islamisches Land. Nur wenige Kopftücher sind zu sehen, keine Frau mit Schleier. Die jungen Mädchen sind oft -trotz der niedrigen Temperaturen- sehr leger gekleidet. Pärchen bummeln „toll verliebt“ durch den Park.
Die Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe. Zurecht. Ihre Strukturen blieben über Jahrhunderte erhalten. Heute wird, soweit das mit einem flüchtigen Blick beurteilt werden kann, die Substanz mit Sorgfalt restauriert. Aber meinen Rundgang habe ich mir für den nächsten Tag aufgehoben.
Auf dem 12 Kilometer langen Weg vom Bahnhof in de Stadt passiere ich schmucke moderne Reihenhäuser. Der Taxifahrer ist sichtlich stolz auf die Entwicklung. Banken, Büros in Hochhäusern, gut ausgebaute Straßen. Die Stadt unterscheidet sich nach meinen Eindrücken deutlich von der Tristesse im Norden, vielleicht auch, weil hier in der Nachbarschaft mit Erfolg neue Gasfelder erschlossen werden.
Es ist schon fast Abend als ich im Hotel ankomme. Ein Backsteingebäude am Rande der Altstadt, einst vielleicht Karawanserei oder Handelshaus. Die Zimmer sind rund um einen Innenhof gruppiert. Freundliche Begrüßung. Ein einfacher sauberer Raum. Ein freundlicher Besitzer und ein netter Student, der sich selbst fünf oder sechs Sprachen beigebracht hat, und das Tagesgeschäft managt.

Der Aufenthaltsraum im Hotel, in dem auch gefrühstückt wird, ist ein Kleinod. Duzende Teekannen stehen in kleinen Schreinen.
Abends zum Essen ins „Old Buchara“. Es ist kalt. Die Dachterrasse mit dem Blick über die Altstadt mi den beleuchteten Minaretten muss deshalb ausfallen. Dennoch. Das Essen lohnt. Ich bestelle die kleinste Portion Fleisch mit Gemüsen des Landes. Die Menge würde bei uns für zwei Personen reichen, Borscht und endlich wieder richtiges Bier vom Faß. Nur mit den Pommes müssen aie noch üben. Und zum Abschluss einen usbekischen Brandy (kleine Gläser scheinen untersagt). Und dann: nach vier Tagen Liegewagenpritsche endlich ein richtiges Bett. Und ein Skype mit Ute.
