Mittwoch, 16. November, 2016: Volgograd – Samarkand: Teil 2. Kasachstan

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Braun, Ocker, Grau: Seit vielen Stunden zieht eine eine einförmige Steppe an meiner kleinen Scheibe vorüber. Vom Horizont bis zum Horizont. Steppe mit den ersten Lichtstrahlen am Morgen, Steppe in der Mittagssonne, Steppe bei der schnellen Abenddämmerung. Und am nächsten Morgen: Immer noch Steppe oder schon wieder?  Und dennoch kommt keine Monotonie über der kasachischen Wüste auf. Es ist erstaunlich, wie unendlich viele Facetten, Wärme  und Zwischentöne gerade diese Farben haben können. Manchmal iegt noch ein wenig Schnee über den schütteren Sträuchern. Ich lerne Details zu beobachten, sehe kleine helle Erdhügel, dunkles verdorrtes Gras, ausgefahrene sandfarbene  Wege. Auch die Farbe der wenigen Häuser scheint sich der Landschaft anzupassen. Nur sehr selten gibt  ein leuchtend grünes Dach Abwechslung und Kontrast. Dörfer bleiben rar. Alle fünfzig Kilometer markiert eine Handvoll Katen eine Station entlang der Trasse. Einst konnten hier die Dampfloks Kohle und Wasser fassen. Die wenigen Straßen sind nicht geteert. Kaum ein Auto ist zu sehen.

Drinnen im Abteil lernen zwei Usbeken, ein Russe und ein Germanski, dass man auch mit fünf Worten, die man von der Sprache des anderen kennt, viel voneinander erfahren kann.   Wieviel Kinder? Alter? verheiratet?  Beruf? Woher, wohin? Wenn die Worte nicht reichen, hilft ein Kugelschreiber. Nur bei dem mir immer wieder angebotenen Essen streike ich. Es sieht lecker aus. Aber ich habe nach dem ersten Besuch der Toilette beschlossen: drei Tage nur trinken, allenfalls ein paar Kekse. Es sind nur ein paar hundert Kilometer auf dem Transit durch Kasachstan und dennoch eine Tagesreise.

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1 Response to Mittwoch, 16. November, 2016: Volgograd – Samarkand: Teil 2. Kasachstan

  1. Avatar von Jörg Blumenthal Jörg Blumenthal sagt:

    Dein post-verdauter (Wort des Jahres!) Zustand begründet (ein Stück weit), warum in deiner Ecke Wodka unumgänglich ist!

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