Samstag,12. 11. 2016, Moskau 23.00 Uhr

Im Zug von St. Petersburg nach Moskau. Draußen ist es stockfinster. Schade. Aber dafür hat heute morgen die Fahrt von Helsinki nach St. Petersburg entschädigt. In Finnland liegt richtiger Schnee. Die Strecke führt durch eine Winterlandschaft wie ich sie lange nicht mehr gesehen habe. Tannenwälder wie mit Puderzucker bestäubt, zugefrorene Bäche, Ströme und Seen. Kleine Hütten und Bauernhöfe, denen man von draußen die Gemütlichkeit drinnen ansehen kann. Mit Bollerofen und Eckbank.
Die Züge hier stehen in puncto Komfort unseren ICEs in nichts nach. Nur das sie im Winter nicht liegen bleiben und im Sommer auch bei dreißig Grad klimatisiert werden. Habe es dann doch geschafft in St. Petersburg die zwei Stationen in der Metro zwischen dem Finnischen und dem Moskauer Bahnhof zu handeln, inklusive Fahrscheinkauf. In Moskau werde ich zwei Nächte ausspannen. Der finnische Grenzbeamte traute seinen Augen nicht als er all die Visa bis China sah. Und dann gestand ich ihm noch: Vietnam und Thailand kommen on top. Die Züge, die ich jetzt besteige, werden auch nicht mehr so komfortabel sein und die Gleise etwas ausgelutschter. Mal sehen. Es ist auf jeden Fall spannend.
Train to Moskau. Da gibt es noch eine Geschichte. Wonderland und ihr Ex-Rattles-Frontmann Achim Reichel waren in den 60iger Jahren meine Deutsche Lieblingsband und ihr Song „Moscow“ gehörte zu meinen zehn Favoriten in jener Zeit.
Moscow, that’s all I know Moscow
Moscow, where shall I go in Moscow
But I’ve got to get her back again
So today I’ll take the train to Moscow
1988 gab es eine Reunion der Rattles. Achim Reichel machte die Tour mit. Konzert in Hanau im Druckhaus. Danach wurde ich, warum auch immer, zum Essen mit Presse und den Rattles eingeladen. Irgendwie hatten die gedacht ich sei bei unserer Lokalzeitung. Und ich hatte nicht widersprochen. Habe mich bis vier Uhr morgens glänzend mit Reichel unterhalten. Der Wein war gut. Ich weiß nicht mehr, ob er rausgetragen werden musste. Gestützt wurde er auf jeden Fall. Ich (Idiot), fast in einem ähnlichen Zustand, setzte mich ins Auto um zu schlafen, wollte aber weg vom Parkplatz und nahm den nächsten Feldweg und ein paar Kurven. Irgendwie muss das der Weg zum Lokschuppen in Hanau gewesen sein. Jedenfalls stand mein Auto plötzlich Face to Face vor einer riesigen Diesellok. Das Ungetüm auf der Drehscheibe und mein kleines Auto. Auge in Auge. Scheinwerfer in Scheinwerfer. „Train to Moscow“. Die Geschichte ging mir heute den ganzen Tag durch den Kopf.